Kurzer geschichtlicher Abriss des Tarock

Standardspielkarten inklusive Standardtarockkarten (Abbildungen)
Tarock - Spielvarianten
Tarock 1756 (Quellentext)
Tarock 1754 / Palamedes redivivus 1755 (Quellentext)
Tarock 1855 (Quellentext)
Trappola (Quellentext)

Farbsysteme - Kartenwerte/Rangfolge - Zählweise - Ausgangszentren/Trumpfordnungen - Ausbreitung/EntwicklungVarianten - Spielkarten - Literatur - Software - Spielkartenhandel

Kartenspiele sind aus dem Orient um 1375 nach Europa gelangt, und zwar in der Form von "Stichspielen"
(man unterscheidet einfache Stichspiele, wo nur die Zahl der Stiche entscheidend ist,
und komplexe Stichspiele, wo die Karten in den Stichen verschiedene Punktwerte besitzen,
die für den Spielausgang entscheidend sind).

Farbsysteme:

Bis 1480 bildeten sich insgesamt sechs Farbsysteme heraus:

A) Lateinisch:

Becher, Münzen, Schwerter, Stäbe; König / Reiter / Bube

Italienisch

(krumme, lange, gekreuzte Schwerter; lange, gekreuzte Stäbe;
heute meist ohne 10 / 9 / 8er; bei Trappola: As, König, Reiter, Bube, 10 ,9, 8, 7, 2)

Spanisch

(gerade, kurze, nicht gekreuzte Schwerter; kurze, nicht gekreuzte Keulen;
schon bald keine 10er mehr; eventuell in Südfrankreich entstanden)

Portugiesisch

(gerade, lange, gekreuzte Schwerter; lange, gekreuzte Keulen/Stäbe; Mädchen statt Buben;
eventuell in Spanien entstanden; ausgestorben (inklusive Minchiate) bis auf die Karten des Tarocco Siciliano)

B) Schweizerisch:

Rosen, Schellen, Schilten, Eicheln; König / Ober / Under; Banner statt 10er;
schon bald keine 1er mehr (2 "Daus" bildet meist As)

C) Deutsch:

(um 1460)
Herz, Schelle, Laub, Eichel; König / Ober / Unter;
zunächst keine 1er, dann auch keine 3 / 4 / 5er mehr (2 "Daus" bildet meist As)

D) Französisch:

(um 1480)
Herz, Karo, Pik, Treff; König / Dame / Bube
(als monochrome Silhouettenwiedergabe der deutschen Farben entstanden)

Tarock wurde um 1440 in Italien, vermutlich in Ferrara erfunden.

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Die Karten und ihre Reihenfolge:

Ursprünglich bestanden die Tarockkarten aus Standardkarten mit italienischen Farben.
coppe / denari: Re,Cavallo,Fante,1,2,3,4,5,6,7,8,9,10
spade / bastoni:Re,Cavallo,Fante,10,9,8,7,6,5,4,3,2,1

vermehrt um Damen (Regina) in den 4 Farben,

zusätzliche "trionfi":

21 (Le Monde), 20 (Le Judgement), 19 (Le Soleil), 18 (La Lune), 17 (L'Estoile), 16 (La Maison Dieu), 15 (Le Diable), 14 (Temperance), 13 (La Morte), 12 (Le Pendu), 11 (La Force), 10 (La Roue de Fortune), 9 (L'Hermite), 8 (La Justice), 7 (Le Chariot), 6 (L'Amoureux), 5 (Le Pape), 4 (L'Empereur), 3 (L'Imperatrice), 2 (La Papesse), 1 (Le Bateleur),
die als ständige Trümpfe (Atouts) dienten,

sowie die Karte "Le Mat" [Reihenfolge des "Tarot de Marseille", 78 Karten insgesamt].

Tarock ist ein komplexes Stichspiel (meist gegen den Uhrzeigersinn) mit eigenen Trumpfkarten,
womit - ungefähr zeitgleich mit Karnöffel - erstmals das Trumpfprinzip eingeführt wurde.

Le Mat (der spätere Sküs) war vielleicht ursprünglich der niedrigste Trumpf, diente dann jedenfalls als Karte, die weder stechen noch gestochen werden konnte
(sie zählte jedenfalls zu den Stichen des Inhabers der Karte und konnte jederzeit entgegen Farb- und Trumpfzwang ausgespielt werden).

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Ursprüngliche Zählweise:

K=4, D=3, C=2, B=1, Le Mat=4, höchster Trumpf=4, niedrigster Trumpf=4; jeder Stich=1
Bei der heutigen Rechenmethode werden die Kartenwerte heute meist um 1 höher angesetzt
("Leerkarten" mit einem Punkt) und dafür um ein Punkt weniger als Spieler = Karten pro Stich abgezogen,
was zum gleichen Ergebnis führt
[Bsp: K=4 + D=3 + "Leerkarte"=0 + Stich=1 ergibt 8 // K=5 + D=4 + "Leerkarte"=1 - 2 ergibt 8]
[bei Königrufen Abzug von 2 Punkten pro 3 Karten statt 3 Punkten pro vier Karten = Spieler = 1 Stich,
weil aus dem Dreierspiel Tapp-Tarock entstanden;
ebenso bei Französischem Tarock Abzug von 1 Punkt pro 2 Karten,
weil von früher üblichem Zweierspiel beeinflusst].

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Ausgangszentren und Trumpfordnungen:

Laut Michael Dummett gab es sechs verschiedene italienische Ausgangszentren
mit zumindest drei prinzipiell verschiedenen Trumpfordnungen
(die Karten waren ursprünglich nicht nummeriert!):

Ordnung A: Engel (Jüngstes Gericht) vor Welt

Bologna [Tarocchino oder Tarocco Bolognese mit 62 Karten];
Florenz [Minchiate mit 97 Karten, ausgestorben];
Rom [heutiger Nachfahre: Tarocco Siciliano mit 64 Karten];
Turin, via Rouen Ausgangspunkt des Belgisch-Flämischen Bacchus-Tarock?

Ordnung B: Welt vor Gerechtigkeit vor Engel (Jüngstes Gericht)

Ferrara und Venedig, ausgestorben

Ordnung C: Welt vor Engel (Jüngstes Gericht)

Mailand und dann Tarot de Marseille, davon abgeleitet:
Tarot de Besancon (Schweizer Tarock),

Tarocco Piemontese [mit Engel vor Welt!],

Esoterische Tarots (z.B. Rider-Waite-Tarot)

Französischfärbige Tarock

Deutschland: Cego
Österreich-Ungarn: Industrie-und-Glück-Tarock
Frankreich: Tarot-nouveau
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Weitere Ausbreitung und Entwicklung:

  • Von Italien verbreitete sich Tarock zunächst nach Frankreich und in die Schweiz, und von Frankreich aus nach Mitteleuropa; erstes deutschsprachiges Regelbuch aus dem Jahre 1754.

  •  
  • Hier wurde aus dem ursprünglichen Tarock mit 78 Karten für drei Spieler (3 x 25 + 3) oder vier Spieler (4 x 19 + 2) zunächst unter Einführung des Tout (alle Stiche) und des Stichfreispiels das später so genannte "Großtarock" für 3 Spieler.

  •  
  • Durch Einfluss des L'Hombre kam die Idee des Bietens (Tapp-Tarock usw.) sowie wechselnder

  • Spielpartnerschaften (durch "Rufen") auf (die Viererspiele sind heute dominant; Spaltung in Königrufen und Rufen eines hohen Tarocks - XX oder XIX).
     
  • Die italienischen Farben wurden durch französische und zugleich die alten Trumpfsymbole durch neue Motive ersetzt (zuerst Tiere, dann Chinesen/Meeresfabelwesen, Veduten, schließlich Genreszenen mit neuen Standardbildern)

  •  
  • Der Sküs (l'excuse) wurde höchstes Tarock über dem XXI "Mond" (le monde!) - vgl. auch Belgisches Tarock!

  •  
  • Die Karten wurden auf 54 und teilweise weiter auf 42 bzw. 40 Karten reduziert.

  • (zunächst die sechs kleinsten Karten jeder Farbe, dann die neun kleinsten, schließlich Tarock II und III entfernt).
     
  • Letzte österreichische Neueinführung: die Ansage des Pagat ultimo ("Spatz") unter Trappolaeinfluss (und dann auch weiterer "Vögel" Uhu, Kakadu, Marabu; Ansage des König ultimo).
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    Heutige Tarockvarianten:

    Italien:

  • Tarocco Siciliano (mit 64/63 Karten)
  • Tarocco Bolognese oder Tarocchino (mit 62 Karten, z.B. Ottocento)
  • Tarocco Piemontese (mit 78 Karten, z.B. Scarto)
  • Minchiate (in Florenz, mit 97 Karten, ausgestorben)
  • Schweiz:

  • Troccas (mit 78 Karten, Graubünden)
  • Troggu (mit 78 Karten, Wallis)
  • Frankreich:

  • Tarot (mit 78 Karten, drei bis fünf Spieler)
  • Deutschland:

  • Cego (mit 54 Karten, drei oder vier Spieler, Baden)
  • Dänemark:

  • Großtarock (mit 78 Karten, drei Spieler)
  • Österreich:

  • Droggn (mit 66 Karten, Stubaital, wahrscheinlich schon ausgestorben)
  • Königrufen (mit 54 Karten, vier Spieler)
  • Zwanzigerrufen (mit 40 Karten, vier Spieler)
  • Neunzehnerrufen (und Zwanzigerrufen II, mit 54 Karten, vier Spieler)
  • Tapp-Tarock (mit 54 Karten, drei Spieler)
  • Illustriertes Tarock (mit 54 Karten, drei Spieler)
  • Point-Tarock (mit 54 Karten, drei Spieler)
  • Einfaches Tarock (mit 40 oder selten mit 42 Karten, drei Spieler)
  • Strohmandeln (mit 54 oder selten 40 Karten, zwei Spieler)
  • Kosakeln (mit 54 Karten, zwei Spieler)
  • Tschechien und Slowakei:

  • Tschechisches Tarock (~ Neunzehnerrufen)
  • Ungarn:

  • Ungarisches Tarock "Paskievics" (~ Zwanzigerrufen, mit 42 Karten)
  • Illustriertes Ungarisches Tarock "Palatinusz" (~ Zwanzigerrufen, mit 42 Karten)
  • Slowenien:

  • Slowenisches Tarock (~ Königrufen)
  • Bukowina:

  • Rumänisches Tarock (~ Königrufen)
  • Haferltarock und Verwandte:

    Durch Übertragung von Spielideen des Tarock auf 36 (deutsche) Standardspielkarten
    entstanden Spiele wie "Haferltarock" in Bayern oder "Brixentaler Bauerntarock",
    mit Verwandten sogar in Amerika (z.B. "Six Bid Solo").
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    Standardspielkarten inklusive Tarockkarten:

    Italienisch
    (z.B.: Triestine; Trappola u.a.)
    Spanisch

    Französisch:

    Wiener (Lyoner), Berliner, Pariser, Internationale (Rouener)
    Deutsch:
    Doppeldeutsche (Ungarische), Salzburger, Prager, Württembergische, Bayrische, Fränkische, Sächsische...
    Schweizerisch

    Italienischfärbige Tarock:

  • Tarocco Siciliano [portugiesische Farben]
  • Minchiate [teilweise portugiesische Farben]
  • Tarocco Bolognese
  • Tarocco Piemontese
  • Tarot de Marseille
  • Tarot de Besancon (Schweizer Tarock, Jupiter/Juno-Tarock)
  • Belgisches Tarock (Flämisches Tarock, Bacchus-Tarock)
  • Esoterische Tarots (z.B. Rider-Waite-Tarot)
  • Französischfärbige Tarock:
  • Cego
  • Französisches Tarock (Tarot)
  • Industrie-und-Glück-Tarock
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    Grundlagenliteratur:

  • Dummett, Michael: The game of tarot, London : Duckworth, 1980
  • McLeod, John: http://www.pagat.com/
  • Mayr, Wolfgang ; Sedlaczek, Robert: Das große Tarock-Buch. Wien : 2001 (Perlen-Reihe) [dazu:  http://www.tarockspiele.com/]
  • Bamberger, Johannes: Tarock: die schönsten Varianten. Wien : 2000 (Perlen-Reihe)
  • Reisinger, Klaus: Tarocke : Kulturgeschichte auf Kartenbildern. Wien : Eigenverl., 1996-1999 (6 Bände)
  • Babsch, Fritz: Internationale und österreichische Kartenspiel-Regeln, Wien : Piatnik, 1983 [enth. u.a.: Meister-Tarock]
  • Pieper, Sven ; Schmidt, Bärbel: Kartenspiele, Stuttgart : Reclam, 1994 (Universal-Bibliothek)
  • Spielkarten. München : Dt. Kunstverl., 1991 (Kataloge des Bayerischen Nationalmuseums)
  • Spielkarten aus dem Biedermeier : Sonderausstellung vom 18.6. bis 20.8.2000, Wien : Technisches Museum, 2000
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    Software:

  • Österreichisches Tarock (Königrufen, XX-Rufen): http://www.gatecentral.com/triangle/produkte/index.html
  • Französisches Tarot: http://objectivetarot.free.fr/objective/
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    Spielkartenhandel:

  • AlidaStore (San Marino): http://www.alidastore.com/
  • R. Somerville PlayingCards: http://www.playingcardsales.co.uk/
  • F. Piatnik & Söhne Wien: http://www.piatnik.com/

  • Hans-Joachim Alscher
    Stand: 1. August 2002

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