Regeln für den Schlagwortkatalog

(RSWK)

[ Aufbau des Regelwerkes | Arten der Sacherschließung | Definitionen | Grundprinzipien der RSWK | Arten von Schlagwörtern und Indikatoren: Personen-SW / Geographische SW / Körperschafts-SW 1 / Körperschafts-SW 2 / Sach-SW / Titel-SW / Zeit-SW / Form-SW | Kettenbildung (Syntax) / Schlagwortdatensatz / Präkombinierte Ketten ]

Aufbau des Regelwerkes:

Abkürzungen

Einleitung

Grundregeln §§ 1 bis 20
Personenschlagwörter §§ 101 bis 117
Geographisch/ethnographische Schlagwörter §§ 201 bis 220
Sachschlagwörter §§ 301 bis 325
Zeitschlagwörter und andere Zeitaspekte §§ 401 bis 418
Formschlagwörter §§ 501 bis 506
Körperschaftsnamen §§ 601 bis 622
Weitere Sonderregeln §§ 701 bis 773

- Sprache, Wörterbücher, Literatur§§ 701 bis 706
- Werke §§ 707 bis 714
- Rechtsmaterien §§ 715 bis 717
- Schriftdenkmäler §§ 718 bis 722
- Werke der bildenden Kunst und Bauwerke §§ 723 bis 731
- Filme, Hörfunk- und Fernsehsendungen §§ 733 bis 734
- Ausstellungen § 735
- Sammlungen § 736
- Audiovisuelle Materialien § 737
- Elektronische Publikationen § 737a
- Musikalische Werke § 739 bis 744
- Schöne Literatur §§ 760 bis 762
- Kinder- und Jugendliteratur §§ 763 bis 766
- Schul- und Berufsschulbücher §§ 767 bis 773
Ordnungsregeln § 801
Ansetzung der geistlichen Reichsfürsten Anlage 1
Nicht aussagekräftige Sachschlagwörter nach Personenschlagwörtern Anlage 2
Bundesstaaten der USA und ihre Abkürzungen Anlage 4
Nicht permutierende Sach- und Zeitschlagwörter Anlage 5
Liste der Formschlagwörter Anlage 6
UDK-Zeitcode Anlage 9
Konkordanz zu Gattungsbegriffen des VD17 Anlage 10

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Arten der Sacherschließung:

Aufgabe der Sacherschließung ist es, Lesern eine thematische (inhaltliche) Recherche zu ermöglichen, die vollständige Auskunft über die vorhandene Literatur zum gewünschten Thema bieten soll. Dies setzt zunächst voraus, daß der gleiche Gegenstand immer mit dem gleichen Terminus wiedergegeben wird - dem dient z.B. die Normdatei, weil nur deren Deskriptoren zur Beschreibung zugelassen sind. Sacherschließung kann auf verschiedene Weise erfolgen - die Möglichkeiten umfassen

1. "Stichwortkatalog"
(Stichwort ist - anders als das vom Indexierer intellektuell gebildete Schlagwort - einfach ein im Titel des Werkes enthaltenes Wort), der in Online-Systemen wegen des Wegfalls der Bindung an das erste Ordnungswort in einem alphabetischen Katalog ohnedies vorliegt und somit Grundlage des neuerdings vielgerühmten "automatischen Indexierens" ist.
2. "Referieren"
kurze Wiedergabe des Inhaltes des vorliegenden Werkes in natürlicher Sprache, in sogenannten "Abstracts"
3. "Indexieren"
Beschreibung des Gegenstandes (Themas) des Werkes durch Deskriptoren ("Schlagwörter"), die zwar der natürlichen Sprache entstammen, aber in ihrer Gesamtheit das Vokabular einer künstlichen Sprache bilden. Ein gebundenes Indexieren bedient sich einer Normdatei (Thesaurus) - im Falle der RSWK der Schlagwortnormdatei SWD - von zugelassenen Deskriptoren. Indexieren im Sinne der RSWK ist syntaktisch, das heißt, daß mehrere Deskriptoren zusammen ("Schlagwortkette") - und nicht etwa bloße Einzeldeskriptoren - den Gegenstand beschreiben.
4. "Klassieren"
Zuordnen des Dokumentes zu einer bestimmten Stelle einer Klassifikation, die das Vokabular einer völligen Kunstsprache darstellt. Bekannt ist die "Dezimalklassifikation", deren Einträge ("Notationen") hierarchisch aufgebaute Zahlencodes darstellen. Wird eine Klassifikation zu Aufstellungszwecken verwendet, spricht man auch von einer "Aufstellungssystematik". Eine solche Aufstellungssystematik, die an die"Dezimalklassifikation" angelehnt ist, wird - zusätzlich zur Beschlagwortung - für den Freihandbestand der Niederösterreichischen Landesbibliothek verwendet.

Die Arbeit des Indexierers beginnt mit der Inhaltsanalyse, also der "gedanklichen Erfassung des Inhaltes" des vorliegenden Werkes. Hier liegt die Hauptschwierigkeit einer Vereinheitlichung der Sacherschließung:Es gibt keine Garantie, daß verschiedene Indexierer hiebei immer zum selben Ergebnis kommen. Lediglich die verwendeten Deskriptoren selbst sowie die Reihenfolge ihrer Wiedergabe in einem bestimmten Kontext können normiert werden. Nach der Inhaltsanalyse erfolgt eine Vorformulierung einer in Frage kommenden Beschreibung, anschließend die Auswahl entsprechender Deskriptoren aus der Normdatei und schließlich deren "Präkoordination" zu einer bestimmten Schlagwortkette. (Von "Postkoordination" spricht man bei der Zusammenstellung verschiedener Deskriptoren zu einer Suchanfrage durch den Benutzer)

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Definitonen (§ 2):

Dokument (Vorlage):
im Schlagwortkatalog nachzuweisende Ausgabe eines Werkes [bibliographisch selbständig oder unselbständig]

Gegenstand des Dokumentes:
ein in einem Dokument behandeltes Thema (Sachverhalt), der durch einen oder mehrere Begriffe, die in einer sachlichen Beziehung zueinander stehen, repräsentiert wird. Der Dokumenteninhalt beszehet aus einem oder mehreren Gegenständen.

Begriff:
ist das Ergebnis einer Abstraktion. Man unterscheidet Allgemeinbegriffe (abstakte Begriffe), in denen gemeinsame Merkmale einer Menge individueller Gegenstände zusammengefasst sind, und Individualbegriffe, die durch Anschauung entstehen, konkreten individuellen Gegenständen im Denken entsprechen und in der Regel durch einen Individualnamen wiedergegeben werden.

Bezeichnung (Benennung):
ist ein sprachlicher Ausdruck für einen Begriff.

Schlagwort (Deskriptor, Vorzugsbezeichnung, Ansetzungsform):
ist eine terminologisch kontrollierte Bezeichnung für einen Begriff aus einem Dokumenteninhalt, die in Indexierung und Retrieval verwendet wird.

Ansetzung, Terminologische Kontrolle:
ist die Gesamtheit aller Maßnahmen, die dazu dienen, Begriffe und Bezeichnungen eindeutig aufeinander zu beziehen (Beseitigung von Mehrdeutigkeiten, Disambiguierung). Dazu gehört die Festlegungskontrolle (Festlegung der Vorzugsbezeichnung), die Synonymiekontrolle (möglichst vollständige Erfassung nicht gewählter Ansetzungsformen in Verweisen), die Homonymiekontrolle (unterscheidende Kennzeichnung von Homonymen und Polysemen) sowie die Zerlegungskontrolle (Prüfung, ob komplexer Begriff in mehrere Schlagwörter zerlegt werden soll).

Relation (Beziehung):
Beziehung zwischen mehreren Bezeichnungen, die denselben Begriff repräsentieren (Äquivalenzrelation = Synonymie), oder die Beziehung zwischen verschiedenen Begriffen aufgrund ihrer gemeinsamen Merkmale (Begriffsbeziehungen: hierarchische [Oberbegriff/Unterbegriff], assoziative [verwandte Begriffe] und chronologische [Früher-Später-Verhältnis] Relation).

Verweisung:
ist die Darstellung der Relation zwischen Bezeichnungen bzw. Begriffen, die der Führung des Benutzers beim Retrieval dient

Thesaurus (Schlagwortdatei):
Gesamtheit von im Rahmen einer terminologischen Kontrolle gebildeten Deskriptoren (Vorzugsbenennungen / Schlagwörter, die Synonyme nennt man Nondeskriptoren / Siehe-Verweisformen) mit Darstellung der Relationen zwischen den Deskriptoren. Bei der terminologischen Kontrolle müssen Synonyme zusammengeführt und Homonyme unterscheidbar gemacht werden, durch Verweise werden Äquivalenzbeziehungen (Siehe-Verweis) sowie hierarchische, assoziative und chronologische Beziehungen (Siehe-auch-Verweis) dargestellt. Wie im Falle der Schlagwortnormdatei können zusätzliche Codierungen erfolgen.

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Grundprinzipien der RSWK

Wie bereits festgestellt, vertritt die RSWK das Prinzip einer syntaktischen Beschlagwortung. Zur Wiedergabe verschiedener Themen eines Werkes können bis zu 10 verschiedene Schlagwortketten aus jeweils bis zu 10 Teilschlagwörtern gebildet werden. Die einzelnen Deskriptoren werden durch Strichpunkt getrennt. Es gibt Deskriptoren (sogenannte "Ansetzungsketten"), die ihrerseits aus mehreren Teilschlagwörtern bestehen und im Wege der "Präkombination" gebildet worden sind, davon zu unterscheiden sind die sogenannten "Verknüpfungsketten". Die Teilschlagwörter einer Ansetzungskette sind durch Schrägstrich getrennt und bilden zusammen eine engere Einheit innerhalb der gesamten, ansonsten durch Strichpunkt getrennten Schlagwortkette (z.B. "g.Wien / Stephansdom" innerhalb der Kette "g.Wien / Stephansdom ; f.Führer"). Die vom Regelwerk vorgesehene Bildung sekundärer Ketten durch "Permutation" (Vertauschung) der einzelnen Kettenglieder (z.B. Kette 1: a ; b ; c ; d, Kette 2: b ; a ; c ; d, Kette 3: c ; b ; a ; d, Kette 4: d ; b ; c ; a) ist für einen Online-Katalog bedeutungslos. In BIS-C entspricht jeder Schlagwortkette ein eigenes Schlagwortfeld (reduplizierbar) beim Titeldatensatz.

Beschlagwortet werden grundsätzlich alle Werke; ausgenommen sind unter anderem Schriftenreihen, wenn die einzelnen Teile ohnedies beschlagwortet werden, sowie (nicht selbständig zitierfähige) Bände, bei denen das übergeordnete Werk beschlagwortet wird.

Ein weiteres Grundprinzip besteht in der Wahl des "engsten Schlagwortes", das heißt in einer möglichst präzisen und keinesfalls zu weiten (über den tatsächlichen Dokumenteninhalt hinausgehenden) Beschreibung, z.B. "g.Zwettl <Niederösterreich> ; s.Wetter ; z.Geschichte 1992 ; f.Datensammlung" und nicht etwa "s.Meteorologie" und dgl..

Als Schlagwörter kommen im wesentlichen Substantiva (auch - in der Regel maximal dreigliedrige - Komposita, z.B. "s.Wandern", "s.Radwandern"), Adjektiv-Substantiv-Verbindungen (z.B. "s.Organische Chemie"), Ansetzungsketten (z.B. "g.Wien / Stephansdom") sowie Schlagwörter mit "Homonymenzusatz" in Winkelklammern (z.B. "s.Orden <Ehrenzeichen>", im Unterschied zu "s.Orden") vor. Schlagwörter werden imm allgemeinen mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben und im Nominativ verwendet. Im allgemeinen wird die Singularform verwendet; die Verwendung des Plurals beschränkt sich auf wenige, in den RSWK aufgezählte Fälle (z.B. botanische und zoologische Gruppen oberhalb der Gattung, z.B. "s.Säugetiere"). Die RSWK vertreten - im Unterschied zum Formalerschließungsregelwerk RAK-WB - kein originalsprachliches, sondern ein deutschsprachiges Prinzip (z.B. "p.Napoleon <Frankreich, Kaiser, I.>" statt "p.Napoleon <France, Empereur, I.>") - siehe Prinzip der Gebräuchlichkeit.

Synonyme (also unterschiedliche Wörter mit derselben Bedeutung) werden zusammengeführt, indem eine Vorzugsbenennung (Ansetzungsform), der "Deskriptor" festgelegt wird, während alle anderen Varianten zu "Non-Deskriptoren" werden und als "Siehe-Verweisung" [Vw, BS Benutze Synonym / BF Benutzt für] bei der Recherche auf den Deskriptor hinführen, z.B. "f.Wörterbuch" (Ansetzung), "f.Lexikon" (Verweis). Das ist notwendig, um zu gewährleisten, daß der Indexierer bei vergleichbarer Sachlage immer denselben Terminus zur Beschreibung verwendet.

Es ist daher genauso erforderlich, daß Homonyme (gleichlautende Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung, z.B. "s.Bank" im Sinne von Kreditinstitut neben "s.Bank <Möbel>") strikt unterschieden werden, dies geschieht durch "Homonymenzusätze" in Winkelklammern (der Homonymenzusatz unterbleibt beim bekanntesten der Homonyme, also hier bei "s.Bank" im Sinne von Kreditinstitut).

Besonders hingewiesen sei auf den Homonymenzusatz "<Motiv>" bei Sach- sowie geographisch-/ethnographischen (nicht aber Personen-) Schlagwörtern für Sekundärliteratur zu den "Schönen Künsten", z.B."s.Frühling <Motiv> ; s.Malerei ; z.Geschichte", aber: "s.Frühling ;s.Lyrik ; f.Anthologie" (Primärliteratur!).
Nur so ist sichergestellt, daß unter demselben Terminus auch immer dasselbe zu verstehen ist.

Neben der "Äquivalenzrelation" (Synonymenverhältnis zwischen Ansetzungsform und Verweisungsform) werden auchhierarchische (OB Oberbegriff - UB Unterbegriff), assoziative (VB verwandte Begriffe) und chronologische (CF frühere oder spätere Benennung) Relationendurch sogenannte "Siehe-auch-Verweisungen"abgebildet.

Was die Wahl der Ansetzungsform betrifft, gilt das Prinzip der Gebräuchlichkeit, was allerdings nicht dem Sprachempfinden des Indexierers überlassen bleibt: als Richtschnur dafür, welche Form gebrächlicher ist, gelten Nachschlagewerke, denen in der "Liste der fachlichen Nachschlagewerke" eine Rangreihenfolge zugewiesen ist - im Bereich der Sachschlagwörter ist das derzeit höchstrangige Nachschlagewerk die  Brockhaus-Enzyklopädie.
(Diese Frage stellt sich natürlich nur, wenn der Indexierer mangels passenden Deskriptors in der SWD gezwungen ist, ein neues Schlagwort zu bilden bzw. "anzusetzen".)
Bei Personenschlagwörtern ist dementsprechend die PND, bei Körperschaftsschlagwörtern die GKD - nach der SWD - heranzuziehen.

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Arten von Schlagwörtern / Indikatoren (mit Besonderheiten):

Es gibt verschiedene Arten von Schlagwörtern, die durch Indikatoren (p, g, c, k, s, t, z, f), welche suchergebniseinschränkend verwendet werden können, unterschieden werden, nämlich:

p. Personen-Schlagwörter,
das sind Namen von Personen (einschließlich fiktiver Personen, wie z.B. "p.Zeus").
Abgesehen vom bereits genannten Prinzip der Deutschsprachigkeit besteht ein wesentlicher Unterschied zum Regelwerk RAK-WB insofern, als homonyme Personen unterschieden werden bzw. Namen "individualisiert" werden, und zwar durch normierte Berufsbezeichnungen und allenfallls durch die Lebensdaten (z.B. "p.Mayer, Peter <Schriftsteller>").
Moderne Namen werden ansonsten analog zu RAK-WB nachdem Muster "p.Familienname, Vornamen" ohne Vornahme von Abkürzungen angesetzt.
Päpste, geistliche Fürsten, regierende Fürsten und Mitglieder regierender Fürstenhäuser werden nach dem Muster "p.Karl <Österreich, Kaiser, I.>" behandelt.
Personennamen des Mittelalters lauten meist "p.Vorname <Homonymenzusatz>", z.B. "p.Walther <von der Vogelweide>".
Personennamen der Antike werden - soweit sie auch als Autoren in Erscheinung getreten sind (und daher auch für die Formalerschließung relevant sind), entsprechend RAK-WB in latinisierter Form angesetzt, z.B. "p.Homerus" und nicht "p.Homer" oder "p.Homeros" (aber "p.Sokrates" und nicht "p.Socrates").
Familien werden unter dem Familiennamen mit dem Homonymenzusatz Familie angesetzt, z.B. "p.Schwarzenberg <Familie>", aber: "p.Habsburger" (gebräuchlicher)!
Zur Behandlung von Doppelnamen und dergleichen gelten die Bestimmungen der RAK-WB sinngemäß.
Hauptnachschlagewerk: PND
Anmerkung: Personenschlagwörter werden vom System BIS-C - so wie auch Autorennamen - als Phrase (also nicht in Einzelbegriffe aufgelöst) indexiert, also etwa "p.Goethe,JohannWolfgang#von#" - für die Suche ist also entweder die volle Angabe des Namens oder aber eine Trunkierung, z.B. "Goethe*", erforderlich.
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g. Geographisch-/Ethnographische Schlagwörter,
das sind Namen von geographischen Individualerscheinungen, wie Orte, Länder, Landschaften, Gewässer, Wegstrecken, Bauwerke, auch Völker und Sprachen, nicht aber astronomische Erscheinungen wie Mond, Sonne und dgl.
(z.B. "g.Wien", "g.Österreich", "g.Dachstein", "g.Donau", "g.Germanen", "g.Deutsch","g.Mariazeller Bahn", "g.Wien / Stephansdom", "g.Klosterneuburg / Sankt Martin" - Kirchenbauten werden meist unter dem Patrozinium angesetzt - , aber "s.Sonne", "s.Mond").
Hingewiesen sei auf die Behandlung von Ortsteilen, soweit sie nicht in hochrangigen Nachschlagewerken als selbständig ausgewiesen werden: Sie werden mit Bindestrich an den Hauptort angeschlossen, unter Weglasssung etwaiger Homonymenzusätze; ist einer der beiden Namen mehrteilig, folgt nach dem Bindestrich ein Leerzeichen (z.B. "g.Wien-Ottakring", "g.Sankt Pölten- Oberwagram","g.Gmünd-Neustadt").
Bevorzugt wird im allgemeinen die Bezeichnung des Landes.
Völkernamen werden nur für Minderheiten, Volksgruppen im Ausland, zur Bezeichnung eines sich über mehrere Staaten erstreckenden Gesamtvolkes oder für Völker ohne bestimmtes Territorium (z.B."g.Zigeuner") verwendet.
Sprachbezeichnungen kommen nur in Verbindung mit sprach- oder literaturwissenschaftlichen Begriffen (incl. "f.Wörterbuch") vor.
Hauptnachschlagewerke: Orts-Müller für Deutschland, Ortsverz. Österr., dann Geo-Duden, Brockhaus, Knaurs Weltatlas; für Bauwerke Reclam und Dehio.
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k. Körperschaftsschlagwörter,
und zwar nicht geographisch gebundene Namen von Körperschaften, in erster Linie nicht lokal beschränkte Vereine, Verbände, Organisationen und dgl. (z.B. "k.Österreichische Volkspartei") - wesentlich ist immer, daß ein individueller Name vorliegt!
Da im Unterschied zu RAK-WB / GKD  Firmen einschließlich Banken, Versicherungen, Handelsbetrieben und dgl. nicht als ortsgebunden gelten, sind sie ebenfalls hier zu finden.
Hauptnachschlagewerk: GKD mit der Maßgabe, daß bei Existenz entsprechender Verweisformen in der GKD bei ausländischen (fremdsprachigen) Körperschaften die deutsche, notfalls auch die englische Form zur Ansetzungsform wird; frühere Namensformen werden beim Schlagwortdatensatz in der Regel nur als Siehe-Verweisung genannt.
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c. Geographisch gebundene Körperschaftsschlagwörter,
das sind Körperschaften, deren Name nach einem geographischen Namen (Ort oder Gebietskörperschaft), getrennt durch Schrägstrich, in einer "Ansetzungskette" steht (z.B. "c.Sankt Pölten / Niederösterreichische Landesbibliothek"). Es gibt zwei verschiedene Fälle:
  • a) der geographische Name (erster Teil der Kette) nennt den Sitz einer ortsgebundenen Körperschaft, das sind lokale Vereine und Organisationen wie z.B. Feuerwehren; Kultureinrichtungen wie Institute, Bibliotheken, Archive, Museen, Theater; Sozialeinrichtungen wie Krankenhäuser, Heime; Veranstaltungen - kurz: Einrichtungen, die sich an einem bestimmten Standort befinden (Beispiele: "c.Sankt Pölten / Niederösterreichische Landesbibliothek", "c.Pitten / Freiwillige Feuerwehr Pitten", "c.Wien / Allgemeines Krankenhaus", "c.Innsbruck / Olympische Spiele <1976>"). Manche Körperschaften werden normiert angesetzt - z.B. Universitäten und Technische Universitäten im deutschen Sprachraum (also "c.Graz / Universität"und nicht etwa "c.Graz / Karl-Franzens-Universität"). Niederlassungen von Mönchsorden werden einheitlich als Kloster, solche von Kanonikern als Stift aufgefaßt, also "c.Melk / Kloster" (Benediktinermönche!), aber "c.Geras / Stift" (Prämonstratenser Chorherren!). Im Unterschied zu RAK-WB gelten Firmen einschließlich Banken, Versicherungen, Handelsbetrieben und dgl. nicht als ortsgebunden! (also z.B. nur "k.Microsoft Corporation") 
  • b) der geographische Name (erster Teil der Kette) nennt die übergeordnete Gebietskörperschaft bei zentralen Organen von Gebietskörperschaften, z. B. "c.Österreich / Nationalrat" oder "c.Niederösterreich / Landeshauptmann" (aber: "c.Wien / Oberlandesgericht" - kein zentrales Organ, sondern nur regionaler/lokaler Wirkungsbereich, daher Ansetzung unter dem Ortssitz). Die Gebietskörperschaft selbst ist identisch mit dem entsprechenden geographischen Begriff und trägt daher den Indikator g. (z.B. "g.Österreich")! Regionale Einheiten der katholischen Kirche wie Pfarreien, Dekanate und Diözesen gelten ebenfalls als Gebietskörperschaften ("g.Wien <Diözese>" bzw. "c.Wien <Diözese> / Domkapitel", "g.Pitten <Pfarrei>", aber: "c.Klosterneuburg / Sankt Martin <Pfarrei>" - es gibt mehrere Pfarreien in Klosterneuburg, daher Behandlung als ortsgebundene Körperschaft!). 
  •  
    Hauptnachschlagewerk ist wieder die GKD mit der zusätzlichen Maßgabe, daß der - in der GKD nach dem Körperschaftsnamen genannte - Ortssitz in Winkelklammernbeim Schlagwort, gefolgt von Schrägstrich, vorangestellt wird, der Ortssitz muß überdies in der in der SWD auch sonst gebräuchlichen Form genannt werden (geographische Namen in der GKD weichen oft von denen in der SWD ab!).
    Im Unterschied zu RAK-WB / GKD  gelten Firmen einschließlich Banken, Versicherungen, Handelsbetrieben und dgl. nicht als ortsgebunden!

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    s. Sach-Schlagwörter,
    das sind im allgemeinen keine Namen, sondern nicht individualisierte Gattungsbegriffe von Gegenständen aller Art, z.B. "s.Haus".
    Hauptnachschlagewerk: Brockhaus
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    t. Titel-Schlagwörter,
    das ist die Nennung eines literarischen oder künstlerischen Werktitels (bei vorliegender Sekundärliteratur dazu) - "t.Kinder- und Hausmärchen" wäre also das passendeSchlagwort für Literatur über die Märchen der Gebrüder Grimm (die keine Verfasser, sondern nur Herausgeber dieser Märchen waren). Verfasserwerke und Urheberwerke bilden gemeinsam mit dem Verfasser bzw. Urheber eine Ansetzungskette,  z.B. "p.Goethe, Johann Wolfgang #von# / t.Faust". Analog werden (nicht ortsgebundene) Kunstwerke behandelt, z.B. p.Leonardo <da Vinci> / t.Mona Lisa, t.Venus von Willendorf
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    z. Zeit-Schlagwörter,
    in der Regel die nähere Angabe des im vorliegenden Dokument behandelten Zeitraumes,
    meist mit dem Schlagwort "z.Geschichte", gegebenenfalls unter Nennung von Jahreszahlen,
    soweit vom Regelwerk zugelassen, auch mit Komposita von "z.Geschichte 300 v. Chr.-300", z.B. "z.Sozialgeschichte 1870-1900".
    ("z.Geschichte" ohne Angabe von Jahreszahlen bedeutet, daß der gesamte Zeitraum des Themas behandelt wird.)
    Zugelassene Komposita von Geschichte sind:
    "z.Sozialgeschichte, z.Kirchengeschichte, z.Weltgeschichte, z.Vor- und Frühgeschichte, z.Ideengeschichte, z.Geistesgeschichte" - nicht aber Kunstgeschichte, Kulturgeschichte usw..
    Für die Zukunft wird das Zeitschlagwort "z.Prognose", gegebenenfalls mit Jahreszahlen verwendet.
    Kulturgeschichtliche Epochen werden dagegen als Sachschlagwörter behandelt (z.B. "s.Barock", "s.Gotik"). Bei kulturgeschichtlichen Epochenschlagwörtern wird in der Regel eine zweite Schlagwortkette mit der Umschreibung "z.Geschichte" + Jahreszahlen gebildet, z.B.
    "s.Barock ; s.Malerei ; g.Frankreich" (Kette 1) und
    "g.Frankreich ; s.Malerei ;z.Geschichte 1600-1750" (Kette 2).
    Zu beachten ist hiebei die besondere Schlagwortreihenfolge in Kette 1!
    Epochen der allgemeinen Geschichte werden im allgemeinen durch das Zeitschlagwort "z.Geschichte" mit Jahreszahlen ausgedrückt, ausgenommen sind "s.Weimarer Republik" und "s.Drittes Reich".
    Die Epochen "s.Altertum", "s.Antike" und "Spätantike" werden nur bei räumlich umfassendenden Darstellungen;
    "s.Mittelalter" [im Sinne der europäischen Mittealters] und "s.Neuzeit"nur ohne Vorliegen einer geographischen oder sachlichen Einschränkung verwendet;
    Ansonsten werden sie normiert ersetzt durch
    "z.Geschichte Anfänge-500" (Altertum),
    "z.Geschichte 800 v. Chr.-500" (Antike),
    "z.Geschichte 284-610" oder enger (Spätantike),
    "z.Geschichte 500-1500" (Mittelalter) bzw.
    "z.Geschichte 1500- " (Neuzeit),
    also z.B. "g.Frankreich ; z.Geschichte 500-1500", "s.Musik ;z.Geschichte 500-1500", aber: "s.Mittelalter ; f.Wörterbuch".
    Epochenbezeichnungen der Geologie und der Vor- und Frühgeschichte einschließlich der Bezeichnungen "Römerzeit", "Völkerwanderungszeit", "Präkolumianische Zeit" gelten als normale Sachschlagwörter, im übrigen auch einzelne Stile und einzelne Künstlerschulen wie z.B. "Neugotik", "Surrealismus", "Blauer Reiter".
    Historische Einzelereignisse sind alles Mögliche :-), nur keine Zeitschlagwörter:
    p.Luther, Martin / Thesenanschlag, g.Brest-Litowsk / Friede, s.Französische Revolution, s.Weltkrieg <1914-1918>, s.Weltkrieg <1939-1945>, k.Wiener Kongress ...
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    f. Form-Schlagwörter,
    die keine Beschreibung des Themas darstellen, sondern das Dokument - normalerweise zusätzlich zur Beschreibung desThemas durch andere Schlagwörter -  einer bestimmten literarischen Gattung oder Materialkategorie zuordnen.
    Beispiele: "f.Wörterbuch", "f.CD-ROM","f.Belletristische Darstellung", "f.Kinderbuch", "f.Atlas" etc.
    Semantischer Unterschied zwischen Formschlagwort und (gleichlautendem) Sachschlagwort:
    Zu beachten ist, daß z.B. "f.CD-ROM" etwas ganz anderes als "s.CD-ROM" aussagt: im ersten Fall ist das beschriebene Dokument eine CD-ROM, im zweiten behandelt es das Thema CD-ROM.
    Sie stehen normalerweise am Schluss der Schlagwortkette.
    (Ausnahmen: f.Enzyklopädie / immer allein, f.Atlas / falls keine nähere Thematisierung möglich, f.Wörterbuch / an (logisch) zweiter Stelle nach Sprache oder Gegenstand )
    Als zweites Formschlagwort in derselben Schlagwortkette dürfen nur solche stehen, die eine Materialkategorie ausdrücken oder das Dokument als Kinder- und Jugendliteratur ausweisen (z.B. "f.Enzyklopädie ; f.Kindersachbuch" für ein Kinderlexikon).
    Die Formschlagwörter (in ihrer Grundform) sind in der Anlage 6 zur RSWK taxativ aufgelistet, es ist lediglich erlaubt, bei bestimmten, entsprechend gekennzeichneten Formschlagwörtern abgeleitete Formen mit Jahreszahlen zu bilden, z.B."f.Biographie 1890-1900".
    In der Praxis der NÖ Landesbibliothek werden f.Ausstellung und f.Kongress - mit Veranstaltungsort und Jahreszahlen - als Ansetzungsketten gehandhabt, z.B.  "f.Ausstellung / Wien <1995>" [die jetzige regelwerksgerechte Behandlung "f.Ausstellung ; g.Wien <1995>" ist unpraktisch.].
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    Für die Kettenbildung (Syntax) gilt eine Vorzugsreihenfolge der Kettenglieder:

    Generell schreitet die Kette, links beginnend, vom Besonderen zum Allgemeinen, vom Individuell-Konkreten zum Generell-Abstrakten, vom Namen zum Gattungsbegriff.

    Demzufolge gilt die Grundreihenfolge P vor G vor S vor Z vor F. C ist G und K bzw. T sind S gleichzuhalten, bei Zusammentreffen würde aber wieder das Individuelle vorangehen. Ansetzungsketten werden aber auf keinen Fall zerrissen!

    Bei Vergleich oder gegenseitiger Beeinflussung kann dieser Sachverhalt durch eine "Kette in der Kette" (Gegenüberstellung) dargestellt werden,
    z.B. "p.Goethe, Johann Wolfgang #von# ; g.Weimar ; s.Drama ; p.Schiller, Friedrich #von# .
    Da gleichlautende Kettenglieder in der gleichen Kette nicht wiederholt werden, sind u.U. mehrere Interpretationen möglich.

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    Ein Schlagwortdatensatz sollte ungefähr so aussehen:
     
  • a) Lokale Identnummer
  • b) Ansetzungsform (Deskriptor) = MAB 800 bis 805
  • c) Siehe-Verweisformen der synonymen Non-Deskriptoren = MAB 830
  • d) Oberbegriff = MAB 850 (hierarchisch verknüpft)
  • e) Siehe-auch-Verweisungen
  • e1) Siehe-auch-Verweisungen zu mehrteiligen übergeordneten Begriffen = MAB 845
  • e2) Siehe-auch-Verweisungen zu verwandten (assoziativen) Begriffen = MAB 860
  • e3) Siehe-auch-Verweisungen zu früheren Begriffen = MAB 870
  • e4) Siehe-auch-Verweisungen zu späteren Begriffen = MAB 880
  • f) Erläuterungen, und zwar Quellenangabe, Definition, Hinweise und Redaktionelle Bemerkungen = MAB 808 a) bis d)
  • g) SWD-Systematik des Schlagwortes = MAB 040
  • h) SWD-Ländercode des Schlagwortes = MAB 036
  • i) SWD-Sprachencode des Schlagwortes = MAB 037
  • j) SWD-Identnummer des Schlagwortdatensatzes = MAB 001
  • k) Kennzeichnung des Schlagwortes als Eigenansetzung (SWK = NÖLB, ALTD oder formal)

  • Bei der Beschlagwortung ist der Titeldatensatz mit den verwendeten Schlagwortdatensätzen zu verknüpfen.

    Dies bedeutet, daß jedes beim Titeldatensatz sichtbare Schlagwort seinerseits eine für Recherchezwecke nutzbare, hypertextartige Tiefenstruktur besitzt, und bietet den praktischen Vorteil, daß eine Korrektur der Ansetzungsform beim Schlagwortdatensatz automatisch für alle damit verknüpften Titeldatensätze wirksam wird.

    Empfohlene Recherchemöglichkeiten:

    in der lokalen Schlagwortdatei:
    "Schlagwort mit der Identnummer X"
    "Schlagwort mit der Ansetzungs-/Verweisform X"
    "Schlagwörter mit dem verwandten/früheren/späteren/mehrteilig-übergeordneten Begriff X"
    "Schlagwörter mit dem Oberbegriff (einteilig) X"
    "Schlagwörter mit der Systematikstelle X"
    "Schlagwörter mit dem Ländercode X"
    "Schlagwort mit der Normdatei-Identnummer X"
    "Schlagwörter mit der Kennung X"

    in der lokalen Titeldatei:
    "Titel mit dem Schlagwort (Ansetzungs-/Verweisform) X"
    "Titel mit Schlagwörtern mit dem verwandten/früheren/späteren/mehrteilig-übergeordneten Begriff X"
    "Titel mit Schlagwörtern mit der Systematikstelle X"
    "Titel mit Schlagwörtern migt dem Ländercode X"

    Weiternavigationsmöglichkeiten:
    @ Zu verknüpften Titeln (vom Schlagwort aus)
    @ zu verknüpften Schlagwörtern (vom Titel aus)
    @ zu verknüpften Oberbegriffen (vom Schlagwort aus)
    @ zu verknüpften Unterbegriffen (vom Schlagwort aus)

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    Präkombinierte Ketten in der SWD:

    Zu den Ansetzungsketten zählen:
     

  • Werktitel, die unter einem Verfasser oder Urheber angesetzt sind,z.B. "p.Goethe, Johann Wolfgang #von# / t.Faust"
  • Ortsgebundene Kunstwerke (Bauwerke), z.B. "g.Wien / Stephansdom"
  • Zentrale Organe von Gebietskörperschaften, z.B. "c.Österreich / Nationalrat"
  • Ortsgebundene Körperschaften, z.B. "c.Sankt Pölten / Niederösterreichische Landesbibliothek"
  • Unterabteilungen von Körperschaften, z.B."k.Österreichische Volkspartei / Landesparteiorganisation Vorarlberg"
  • Gesetze, z.B. "g.Österreich / t.Strafgesetzbuch".
  • [die Formschlagwörter "f.Ausstellung" und "f.Kongress"],z.B. "f.Ausstellung / Wien <1995>" - Lösung der Niederösterreichischen Landesbibliothek gegen die neue Regelwerkslösung "f.Ausstellung ; g.Ort <Jahr>" mit eigens anzusetzendem Geographikum <Jahr>.

  • Verknüpfungsketten, die ebenfalls in der SWD vorkommen und auf den ersten Blick solchen Ansetzungsketten gleichen, passen jedenfalls zu keinem der genannten Typen und sollten den Hinweis "Eigentlich Verknüpfungskette ..." enthalten. Ein Beispiel: "s.Kunst / Geschichte" mit der Siehe-Verweisungsform "s.Kunstgeschichte". Diese Ketten dienen nur dazu, von einem Nondeskriptor auf eine zu verwendende Mehrzahl von Schlagwörtern zu verweisen; im vorliegenden Fall wäre also der Titel mit "s.Kunst ; z.Geschichte" zu beschlagworten (das ist eine Verknüpfung mehrerer Schlagwörter) - es wird keine Verbindung des Titeldatensatzes zum Schlagwortdatensatz "s.Kunst / Geschichte" aufgebaut. Letztendlich stellt dieses Verweisziel somit auch einen Nondeskriptor dar, was bei OPACs ohne eigene Schlagwortrecherche (d.h. nur "Titel-mit-Schlagwort-Recherche") problematisch ist, weil mangels einer entsprechenden Verknüpfung zum Titel die Suche ins Leere führt.

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    Aufstellungssystematik der NÖ Landesbibliothek

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