Einführung in die Katalogisierung (Dokumentenerschließung)

[ Katalogarten formal | Katalogarten inhaltlich | Standards: deutschsprachige / historische / anglophone | Allgemeines / Suchtipps / Weiterführende Themen ]
Katalogarten in physikalischer Hinsicht:
 

Bandkatalog oder Listenkatalog (mit der Sonderform Mikrofichekatalog):

Merkmal: mehrere Einträge auf einem Blatt
Nachteil: schwer erweiterbar, heute nur mehr für abgeschlossene Bestandsnachweise oder für Druckausgabe

Zettelkatalog oder Kartenkatalog:

Merkmal: nur ein Eintrag pro Blatt
Vorteil: kein Erweiterungsproblem bei neuen Eintragungen
Nachteil: starre alphabetische oder numerische Ordnung, Bindung an den ersten Ordnungsbegriff

Neue Sonderform: Cardimagekatalog "CIPAC":

Digitalisierter Kartenkatalog "Imagekatalog" der ÖNB:
Zettelkatalog (Ausgangsmaterial) - Listenkatalog (unveränderbar) - oder Onlinekatalog (Internetzugriff) ???
(-: Und wozu ist die Lochung/Schlitzung da ? :-)


deutlich erkennbar sind die 3 Elemente eines Katalogeintrages:

KOPF (Ordnungsbegriff) - BIBLIOGRAPHISCHE BESCHREIBUNG (Buchzitat) - STANDORTANGABE  ("Signatur")

Bei einer Bibliographie gibt es im Unterschied zu einem Bibliothekskatalog normalerweise keine Standortangabe!


Online-Katalog:

Vorteil: meist kein serieller (Ausnahme: "Browsen" im Index), sondern ein punktueller Zugriff - keine Ordnung, keine Bindung an den ersten Ordnungsbegriff; die Möglichkeit des Maskierens, Trunkierens und der Einsatz von Boole'schen oder auch Kontextoperatoren erlauben komplexe Suchstrategien; leichte Zugänglichkeit, Vervielfältigbarkeit des Kataloges etc.

Der Online-Katalog wird als Gegenstück zu den "konventionellen" Katalogformen Bandkatalog und Kartenkatalog angesehen!

Online-Katalog: Bearbeitungsoberfläche des Systems BIS-C 2000

 

Als "OPAC2 = "Online public access catalog(ue)" bezeichnet man den Publikumszugang "Benutzerschnittstelle" zum Bibliothekskatalog, eine Sonderform dazu stellt der WWW-OPAC oder Web-OPAC ["Internet-OPAC"] dar.

Suchmaske eines WWW-OPACs





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Katalogarten in inhaltlicher Hinsicht:

Alphabetischer Katalog (AK) oder "Nominalkatalog" ["Titelkatalog", "Autorenkatalog"]

wird durch die Formalerschließung, genauer die  Alphabetische Katalogisierung oder "Nominalkatalogisierung" ["Titelaufnahme"] erzeugt. Im Rahmen der Formalerschließung  wird der "Kopf" (der/die Ordnungsbegriff/e) angesetzt und das Dokument in einer "Bibliographischen Beschreibung" (Zitat) vorlagegemäß wiedergegeben, die Standortangabe ist dagegen kein Bestandteil der Formalerschließung  (zählt aber zum weiter gefassten Gebiet der "Titelaufnahme"). Neben der primären Katalogeintragung ["Einheitsaufnahme"], der "Haupteintragung" können davon abgeleitete sekundäre, sogenannte "einteilige" oder "zweiteilige" "Nebeneintragung(en)" als zusätzliche Sucheinstiege existieren, die einen anderen bzw. zusätzlichen "Kopf" (Ordnungsbegriff) aufweisen, etwa den zweiten Autor (z.B. HE: "Marx, Karl: Manifest der Kommunisitischen Partei", NE: "Engels, Friedrich: Manifest der Kommunistischen Partei"). Von einer zweiteiligen Nebeneintragung spricht man bei weiteren Verfassern oder Urhebern, von einer einteiligen bei sonstigen beteiligten oder gefeierten Personen oder Körperschaften (z.B. Herausgeber, Redakteur, Übersetzer, Illustrator, Bearbeiter...). Daneben können Verweisungen, in denen auf die im Katalog verwendete Schreibweise von Personen oder Körperschaften hingewiesen wird (z.B.: "Clemens, Samuel L. siehe: Twain, Mark"). In einem (guten) Onlinekatalog stellen dagegen die Nebeneintragungen nur eigene suchbare Felder des Titeldatensatzes dar, während Verweisformen in suchbaren Feldern eigener  Personendatensätze bzw. Körperschaftsdatensätze, die mit den dazugehörigen Titeldatensätzen verknüpft werden, "untergebracht" werden.

Ordnung (wenn Band- oder Zettelkatalog):

alphabetisch

Primärer Ordnungsbegriff ("der Haupteintragung"):


erster oder besonders hervorgehobener Verfasser (Autor) = "Kopf",

ersatzweise der erste oder besonders hervorgehobene Urheber (das ist immer eine Körperschaft!) = "Kopf"

ersatzweise bei "anonymen Werken" (als solche gelten auch Werke mit mehr als drei Verfassern !) unter Weglassung eines "Kopfes":
die Wörter des Titels in mechanischer Reihenfolge unter Übergehung eines etwaigen führenden Artikels.

Demzufolge stellt der Alphabetische Katalog keinen (reinen) Autorenkatalog, aber auch keinen (reinen) Titelkatalog, sondern eine Mischung beider Formen in einer alphabetischen Ordnung dar.

Trojanischer Krieg ; Belletristische Darstellung

Homerus:

Ilias und Odyssee / Homer. In der Übertr. von Johann Heinrich Voss. Hrsg. von Peter Von der Mühll. - Essen : Vollmer, [1995]. - XXIV, 327 S.
Einheitssacht.: Odyssea <engl.>. - Aus dem Griech. übers.
ISBN 3-88851-163-1

Sign.: 64.248 B 

Titelaufnahme in (ISBD-)Katalogkarten- und in BIS-C-Kategorienformat
"Homerus" ist Kopf der HE (Alphabetischer Katalog), "Trojanischer Krieg" wäre der Kopf der HE im Schlagwortkatalog.

Schlagwortkatalog (SWK)

wird durch eine Form der Sacherschließung oder Sachkatalogisierung (auch Inhaltliche Erschließung oder Inhaltserschließung), nämlich die Schlagwortkatalogisierung ["Beschlagwortung"] oder das Indexieren erzeugt. Das Schlagwort (der Deskriptor) ist eine terminologisch kontrollierte Bezeichnung für einen Begriff aus dem Dokumenteninhalt (Gesamtheit der im Dokument behandelten Gegenstände = Themen oder Sachverhalte) und wird vom Indexierer zur Beschreibung desselben verwendet. Die terminologische Kontrolle dient der Beseitigung von Mehrdeutigkeiten (Disambiguierung), das Vokabular der Gesamtheit aller verwendeten Schlagwörter nennt man Schlagwort(norm)datei = (ein) Thesaurus.

Ordnung (wenn Band- oder Zettelkatalog):

alphabetisch, bei identer Beschlagwortung chronologisch mit dem Eintrag des zuletzt erschienenen Dokumentes voran
[der Alphabetische Katalog trägt seinen Namen also zu Unrecht exklusiv].

Primärer Ordnungsbegriff:

das erstgenannte Schlagwort vor gegebenfalls weiteren Schlagwörtern oder weiteren Schlagwortketten. Ähnlich wie in der Formalerschließung können zu dieser Haupteintragung weitere Nebeneintragungen gebildet werden, denen entweder eine weitere Schlagwortkette oder aber ein durch "Permutation" (Vertauschung) an den Beginn der Kette gestelltes weiteres Schlagwort zugrundeliegt. In einem Onlinekatalog unterbleiben Permutationen, weil die Position des Schlagwortes innerhalb der Schlagwortkette(n) des  Titeldatensatzes für die Suche irrelevant ist. Tatsächlich besteht ein Schlagwortkatalogeintrag aus der normalen Haupteintragung des Alphabetischen Kataloges mit der Schlagwortkette als zusätzlichem Kopf, wäre also bei einer Einordnung in den Alphabetischen Katalog als Nebeneintragung zu betrachten. Das einzelne Schlagwort erfüllt hiebei dieselbe Rolle wie eine Person oder Körperschaft im Alphabetischen Katalog, dementsprechend gibt es Verweise (z.B. "Viertel oberm Manhartsberg siehe Waldviertel"), die in einem Onlinekatalog als Verweisformen in suchbaren Feldern eigener Schlagwortdatensätze, die mit den dazugehörigen Titeldatensätzen verknüpft werden, "untergebracht" werden [dieses Prinzip wiederholt sich beim nachstehenden Systematischen Katalog in Form von Notationsdatensätzen.]

Systematischer Katalog (SysK)
wird durch eine Form der Sacherschließung oder Sachkatalogisierung (auch Inhaltliche Erschließung oder Inhaltserschließung), nämlich die Systematische Katalogisierung oder das Klassieren erzeugt. Hiebei erfolgt eine Zuordnung des Dokumentes bzw. des Dokumenteninhaltes zu einer Notation.  Das Vokabular der Gesamtheit aller verwendeten Notationen nennt man Klassifikation, die im Unterschied zur Schlagwortdatei jedoch in keiner Relation zur natürlichen Sprache steht. Wird die Klassifikation zu Aufstellungszwecken verwendet (was die Vergabe mehrerer Notationen zum selben Dokument  ausschließt), spricht man von einer Aufstellungssystematik (die bis zu einem gewissem Grad eine Katalogrecherche entbehrlich macht und meist mit einer Freihandaufstellung einhergeht).

Ordnung (wenn Band- oder Zettelkatalog oder bei Aufstellungssystematik):

je nach verwendeter Klassifikation alphabetisch oder numerisch (z.B. Dezimalklassifikation), bei identer Notation chronologisches oder formales Zweitprinzip. Meist sind Klassifikationen hierarchisch aufgebaut, was Einfluß auf die Ordnung hat (z.B. Stelle 19 vor Stelle 2, wenn 19 eine Teilmenge von 1 ist, vgl. Dezimalzahlen wie 0,19 vor 0,2).

Primärer Ordnungsbegriff:

die vergebene Notation, siehe auch die obige Anmerkung zu den Notationsdatensätzen.

Sonstige Katalogarten:
@ Inventar [mit numerischem Ordnungsprinzip]

@ Standortkatalog [mit numerischem Ordnungsprinzip, bei Aufstellungssystematik ident mit SysK!]

@ Stichwortkatalog:
Unter Stichwort versteht man im Unterschied zum Schlagwort, welches dem Dokument ja erst vom Indexierer zugeordnet wird, einfach ein Wort aus dem Titel des Dokumentes. Ein Stichwortkatalog weist im Unterschied zum Alphabetischen Katalog jedes (sinntragende) Wort des Titels in einem eigenen Katalogeintrag nach und vermehrt solcherart die möglichen Sucheinstiege in einem konventionellen Katalog. Weil die Permutation vorgegebener Elemente automatisierbar ist, spricht man bei der Erzeugung eines Stichwortkataloges auch von "automatic indexing" und meint fälschlich, damit einen Ersatz für das "intellektuelle Indexieren" zu haben. Da in einem Onlinekatalog die Reihenfolge der Wörter für die Recherche belanglos ist, erfüllt er automatisch die Kriterien eines Stichwortkataloges.

@ Kreuzkatalog:
Von einem Kreuzkatalog spricht man, wenn inhaltlich verschiedene Katalogformen zu einem Gesamtkatalog vereinigt werden, z.B. bei Führung des Alphabetischen Kataloges und des Schlagwortkataloges in einer alphabetischen Ordnung (war vor allem in Amerika üblich). Da in einem Onlinekatalog nach jedem Begriff eines jeden Feldes eines Datensatzes (z.B. sowohl nach Autor, nach Stichwort, nach Schlagwort, nach Standortangabe ...) gesucht werden kann, stellt jeder Onlinekatalog automatischeinen Kreuzkatalog dar. Bedenkt man die Möglichkeit der Suche nach ISBN/ISSN, Verlagsort, Verleger, Erscheinungsjahr, Sprache etc., zeigt sich, dass ein Onlinekatalog in sich weitere, bisher nicht vorhandene, logische Katalogformen birgt.

Diesen Katalogformen steht aber kein eigener Input (z.B. in Form eines zusätzlichen Katalogkärtchens) gegenüber, ganz im Gegenteil:
auch Formal- und Sacherschließung, Inventar- und Standortverwaltung finden am selben Titeldatensatz statt, sodass nur der Umstand, dass diese Tätigkeiten meistens verschiedenen Bearbeitern zugewiesen ist, hindert, von einer einheitlichen "Titelaufnahme" auszugehen, die alle inhaltlich verschiedenen Katalogisierungen in sich vereint bzw. kumuliert.
 

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Standards
vgl. die Literaturzitate im Kapitel Informationsauswertung / Abschnitt Normdateien, Regelwerke, Sekundärliteratur!

Deutsches Sprachgebiet, aktuell:

Redaktion der Regelwerke RAK-WB und RSWK sowie von GKD, ZDB und der Zeitschrift "Bibliotheksdienst" (derzeit noch)
durch das Deutsche Bibliotheksinstitut in Berlin (DBI)
Redaktion von DNB (mit CIP-Dienst) sowie von PND, SWD und MAB2
durch Die Deutsche Bibliothek in Frankfurt am Main und Leipzig
Redaktion des VLB sowie ISBN-Vergabe
durch den Buchhandel


Formalerschließung:
 

(ISBD, International standard bibliographic description)


Regeln für die alphabetische Katalogisierung in wissenschaftlichen Bibliotheken : RAK-WB

Auf Grundlage der ISBD erschienen 1977 (BRD, Verl. L. Reichert in Wiesbaden) bzw. 1976 und 1989 (DDR) separat jeweils "Regeln für die alphabetische Katalogisierung - RAK". Die RAK (Wiesbaden : Reichert, 1977) wurden ab 1983 vom selben Verlag in einer mehrbändigen Neuausgabe herausgebracht:
Regeln für die alphabetische Katalogisierung : RAK. - Wiesbaden : Reichert, 1983-

Band 1: Regeln für wissenschaftliche Bibliotheken (RAK-WB)
Band 2: Regeln für öffentliche Bibliotheken (RAK-ÖB)
Band 3: Sonderregeln für Musikalien und Musiktonträger (RAK-Musik)
Band 4: Sonderregeln für kartographische Materialien (RAK-Karten)
Band 5: Regeln für die Ansetzung von Körperschaftsnamen (RAK-Körperschaften)
Band 6: Personennamen des Mittelalters (PMA)
Band 7: Personennamen der Antike (PAN)
 

Seit 1993 erscheinen die RAK-WB in 2. Aufl. als Losebl.-Ausg. beim Dt. Bibl.-Inst. in Berlin, mit inzwischen drei Erg.-Lfg. Diese Ausg. ersetzt Band 1 (RAK-WB) sowie Band 5 (RAK-Körperschaften, eingearbeitet) völlig, ein Teil der Bestimmungen von Band 2 (RAK-ÖB), die vermutlich nicht mehr neu aufgelegt werden, ist ebenfalls eingearbeitet.

Band 3 (RAK-Musik) wird u.d.T.  "Regeln für die alphabetische Katalogisierung von Musikdrucken, Musiktonträgern und Musik-Bildtonträgern (RAK-Musik, 1997- )" ebenfalls als Losebl.-Ausg. vom Dt. Bibl.-Inst. in Berlin herausgegeben und kann als Anhang zu den RK-WB betrachtet werden. Ursprünglich nur als Vorabdruck gab es Sonderregeln für audiovisuelle Materialien, Mikromaterialien und Spiele (RAK-AV, 1985), später ebenfalls als Losebl.-Ausg. erschienen (RAK-AV, 1994- ) und inzwischen unter Einbeziehung elektronischer Medien erweitert zu den "Regeln für die alphabetische Katalogisierung von Nichtbuchmaterialien (RAK-NBM, 1996- )", die wie die RAK-Musik als Anhang zu den RAK-WB anzusehen sind.

Bisher sind die RAK-Karten (Band 4) noch nicht neu aufgelegt worden. Im Entwurfsstadium verharren die "Sonderregeln für unselbständig erschienene Werke - RAK-UW". Immer noch nicht vollständig sind die Transliterationstabellen (z.T. nur als Vorabdrucke vorhanden) im Hauptwerk RAK-WB. Am Rande sind auch noch die "Regeln für die Katalogisierung alter Drucke"  sowie die "Regeln zur Erschließung von Nachlässen und Autographen (RNA)", (jeweils ersch. in den Schriften der Deutschen Forschungsgemeinschaft, sowie die "Regeln für die alphabetische Katalogisierung in Parlaments- und Behördenbibliotheken - RAK-PB" zu erwähnen. Band 6 und 7 (PMA und PAN) stellen kein Regelwerk dar, sondern sind eine Auflistung von regelgerecht angesetzten Personennamen des Mittelalters und der Antike inklusive Verweisformen, die zwischenzeitlich zur Gänze in die "Personennamendatei - PND" eingeflossen sind, die ein Äquivalent zur bereits früher entstandenen "Gemeinsamen Körperschaftsdatei - GKD" bildet  (siehe Normdateien).

MAB2 : Maschinelles Austauschformat für Bibliotheken siehe Datenaustauschformat

Personennamendatei - PND [enthält PMA und PAN, siehe oben; ca. 2 Millionen Personendatensätze]

Gemeinsame Körperschaftsdatei - GKD [ca. 900.000 Körperschaftsdatensätze]
 

Liste der fachlichen Nachschlagewerke zu den Normdateien siehe Normdateien

MAB2-Datendienst Normdaten : DDB-MAB2/PND-SWD siehe Datenaustauschformat

Sacherschließung:

Regeln für den Schlagwortkatalog : RSWK

1. Aufl.  - Berlin : Dt. Bibl.-Inst., 1986
2. Aufl.  - Berlin : Dt. Bibl.-Inst., 1991
3. Aufl.  - Berlin : Dt. Bibl.-Inst., 1998. - Losebl.-Ausg.

Praxisregeln zu den Regeln für den Schlagwortkatalog (RSWK) und der Schlagwortnormdatei (SWD)

Beispielsammlung zu den Regeln für den Schlagwortkatalog


Schlagwortnormdatei - SWD [ca. 500.000 Schlagwortdatensätze]

Liste der fachlichen Nachschlagewerke zu den Normdateien siehe Normdateien

MAB2-Datendienst Normdaten : DDB-MAB2/PND-SWD siehe Datenaustauschformat

Weiteres:
Inhaltserschließung von Dokumenten. - 1993. - ÖNORM A 2702. - 1993

UDC [UDK] Universal Decimal Classification / Universelle Dezimalklassifikation (international)

Regensburger Verbundklassifikation

Klassifikation für Allgemeinbibliotheken (KAB)

Allgemeine Systematik für öffentliche Bibliotheken (ASB)
 
 

Normdateien:

Personennamendatei - PND [ca. 2 Millionen Personendatensätze]
Gemeinsame Körperschaftsdatei - GKD [ca. 900.000 Körperschaftsdatensätze]
Schlagwortnormdatei - SWD [ca. 500.000 Schlagwortdatensätze]
 

Liste der fachlichen Nachschlagewerke zu den Normdateien

MAB2-Datendienst Normdaten : DDB-MAB2/PND-SWD siehe Datenaustauschformat
 

Datenaustauschformat:

MAB2 : Maschinelles Austauschformat für Bibliotheken [MAB-Titel, MAB-Lokal, MAB-PND, MAB-GKD, MAB-SWD; MAB-NOTAT, MAB-ADRESS]

MAB2-Datendienst Normdaten : DDB-MAB2/PND-SWD

Bibliographische Nummern (international): [dienen der eindeutigen Identifizierung von Werken und ihren Ausgaben]

ISBN (International standard book number)

wird von nationaler Buchhandelsorganisation verwaltet. Die Nummer besteht aus insgesamt 10 Ziffern in 4 Ziffernblöcken, die durch Bindestrich getrennt werden [10 Ziffern + 3 Bindestriche = 13 Stellen], die letzte Stelle ist einstellig und kann "X" (für "10") lauten. Der erste Block repräsentiert das Sprachgebiet oder Land (3 = deutscher Sprachraum), der zweite den Verlag, der dritte die Nummer des Buches, der vierte bildet eine Prüfziffer.

Prüflogik:
Man multipliziere die Ziffer mit ihrem Stellenwert [d.h. die erste mit 10, die zweite mit 9, die neunte mit 2] und addiere die entstandenen Zahlenwerte. Die letzte Ziffer stellt die Ergänzung der Summe auf die nächsthöhere durch 11 teilbare Zahl dar. Daraus folgt, dass von 11 möglichen Werten für die letzte Ziffer  nur einer richtig ist, sodass mit einer dementsprechenden Wahrscheinlichkeit falsch in das Buch gedruckte ISBN wie auch eigene Tippfehler erkannt werden können.


ISSN (International standard serial number)

wird von internationaler Organisation verwaltet vgl. http://www.issn.org/. Die Nummer besteht aus 2 Ziffernblöcken mit je 4 Stellen, getrennt durch Bindestrich  [z.B.: 1431-1828], die letzte Stelle kann "X" (für "10") lauten. Die Prüflogik ist im Prinzip dieselbe wie bei der ISBN.

weiters:
ISMN (für Musikalien)

ISRN (für Reports)


Nationalbibliographische Dienste:

DNB Deutsche Nationalbibliographie und Bibliographie der im Ausland erschienenen deutschsprachigen Veröffentlichungen

ÖB Österreichische Bibliographie

CIP Cataloging-in-print-Dienst der Dt. Bibliothek [Schnellkatalogisierung vor Erscheinen des beschriebenen Mediums]

VLB Verzeichnis lieferbarer Bücher [Buchhändlervereinigung]

ZDB Zeitschriftendatenbank [Datenbank der Zeitschriftenbestände in deutschen Bibliotheken]

ÖZZDB Österreichische Zeitungs- und Zeitschriftendatenbank[analog]

Verlautbarungsorgan:

Bibliotheksdienst. - Berlin : Dt. Bibl.-Inst.
 

Deutsches Sprachgebiet, historisch:

Formalerschließung:

Instruktionen für die alphabetischen Kataloge der Preussischen Bibliotheken ("Preußische Instruktionen", "PI")

(1. Aufl. 1899)
 2. Aufl. 1908, unveränderter Nachdr. Wiesbaden : Harrassowitz, 1964

sieht keine Urheberschriften vor, bei annonymen Werken Bildung von Ansetzungssachtiteln nach dependenz-grammatikalischem Prinzip:
erstes unabhängiges Substantiv vor den abhängigen Satzgliedern in mechanischer Reihenfolge vor dem nächsten unabhängigen Substantiv...

dazu:
Fuchs, Hermann: Kommentar zu den Instruktionen für die alphabetischen Kataloge der Preussischen Bibliotheken.
Allischewski, Helmut: Retrieval nach Preussischen Instruktionen.
 

Vorschriften für die Verfassung des alphabetischen Nominal-Zettelkataloges der Druckwerke der K. K. Hofbibliothek. -
(Vorschriften für die Katalogsarbeiten der K. K. Hofbibliothek : 1. Abteilung ; 1. Band). - Wien, 1901
sieht keine Urheberschriften vor, bei anonymen Werken fungiert das erste Substantiv im Nominativ (falls vorhanden) das erste Ordnungswort, ansonsten Wiedergabe des Titels in "mechanischer" Reihenfolge ohne Übergehung führender Artikel; bevorzugt alte Schreibweisen und Ordnungskriterien  (z.B. Schreibung von c statt k, Gleichordnung von i und j...)


Sacherschließung:

Richtlinien für den Schlagwortkatalog der Österreichischen Nationalbibliothek. - 5., unver. Aufl. - Wien, 1970

Richtlinien für den Schlagwortkatalog / Universitätsbibliothek Wien. - Wien, 1972
 

Anglophoner Raum / international:

Formalerschließung:
 

(ISBD, International standard bibliographic description)
Anglo-American cataloging rules, 2. Auflage (AACR 2)

Name authorities / Library of Congress (CDMARC names, LoC authors) inkl. korporative Verfasser (Urheber)

Sacherschließung:

Precis [englische Schlagwortregelwerk]

Subject headings / Library of Congress (CDMARC subjects, LoC subjects)

Library of Congress Classification System

DDC Dewey Decimal Classification (DDK Dewey-Dezimalklassifikation)

[benannt nach dem amerikan. Bibliothekar Melville Dewey, vor allem in USA verbreitet]
UDC Universal Decimal Classification (UDK Universelle Dezimalklassifikation)
[international, vor allem in Europa, angewendet, sofern überhaupt klassiert wird; inhaltlich veraltet]


Normdateien:

Name authorities / Library of Congress (CDMARC names, LoC authors) inkl. korporative Verfasser (Urheber)

Subject headings / Library of Congress (CDMARC subjects)

Datenaustauschformat:

MARC

Varianten: US-MARC, UNI-MARC...


Bibliographische Nummern: siehe oben

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Grundlegendes zu Katalogisierung und Informationsrecherche

Positionierung der Dokumentenerschließung (Katalogisierung) im Buchlauf (Bibliotheksgeschäftsgang, Ablauforganisation)

Erwerbung - Formalerschließung - Sacherschließung - Magazinsverwaltung und Ausleihverwaltung
Besonderheiten bei Zeitschriftenverwaltung

Es sollte ein "Integriertes Bibliothekssystem" verwendet werden, das all diese Geschäftsgänge zusammen verwaltet.
 

Traditonellerweise wird die Sacherschließung (sowie der fachbezogene Bestandsaufbau) von Bibliothekaren des "Höheren Dienstes" (A, Akademiker mit postgraduate-Bibliothekarsausbildung) durchgeführt, die Formalerschließung von Bibliothekaren des "Gehobenen Dienstes" (B, Maturanten mit bibliothekarischer Zusatzausbildung, Fachhochschulabsolventen), Erwerbung, Magazinsverwaltung und Ausleihverwaltung von Fachdienst- oder Hilfsdienstkräften (C, D, E), doch führt die Arbeit in einem Datenbanksystem, teilweise natürlich auch der Personalmangel ("Aufnahmestopp") zu einer Verwischung dieser Abgrenzungen.


Ein Bibliothekskatalog muss in jeder Beziehung dublettenfrei sein und bleiben:

Soweit eine "bibliographisch idente" Ausgabe vorliegt, darf nur ein Titeldatensatz vorkommen, der ebendiese Ausgabe repräsentiert (für jedes vorhandene Exemplar dafür ein eigener Exemplardatensatz). Auch Personendatensätze, Körperschaftsdatensätze, Schlagwortdatensätze, Notationsdatensätze, Lieferantendatensätze, Erwerbungsdatensätze, Benutzerdatensätze, Verbuchungsdatensätze etc. müssen eindeutig sein. Die "Dublettenkontrolle" ist daher wichtiger Faktor der bibliothekarischen Arbeit und damit des Bibliothekssystemes.

Recall and Precision:

Unter Recall versteht man die Menge der Treffer ("Output") zu einer Suchanfrage, Precision ist der Anteil der im Sinne der Suchanfrage relevanten Treffer. Insbesondere die Sacherschließung dient der Erhöhung der Precision, einen (natürlich nicht deckungsgleichen) Recall bekommt man schließlich auch bei einem reinen Formalerschließungskatalog.

Überprüfung der Regelwerkskonsistenz:

Kommen verschiedene Bearbeiter zur selben Zeit oder derselbe Bearbeiter zu verschiedenen Zeiten zum selben Bearbeitungsergebnis?
 

Suchtipps:

In einem Onlinekatalog stehen normalerweise folgende Suchmittel zur Verfügung:

"Wild cards":
 

a) Maskieren:
Ersetzung ein oder mehrerer Zeichen des Suchbegriffes durch eine Variable, z.B. in BIS-C durch ? [Beispiel: "Zwetsch?e"]

b) Trunkieren:
Abschneiden eines Wortes (offenes Ende), z.B. in BIS-C durch * (in anderen Programmen oft auch $, ?, +, % oder dgl.), sollte nach rechts (am Wortende) immer möglich sein, nach links (Wortanfang) oder in beide Richtungen gleichzeitig oft nicht vorgesehen [Beispiele: "waldviert*", *biologie].


Bereichsabfragen:
Unter Umständen sind auch Abfragen wie 1997<1999 (von 1997 bis 1999) oder 1500-2000 (1500 bis 2000) möglich.

Boole'sche Operatoren:
Logische Verknüpfung von Teilanfragen zu einer komplexen Anfrage ("Postkoordinierendes Retrieval")
Standardoperatoren:

AND "und": Bedingung 1 UND Bedingung 2 müssen zutreffen, wirkt also suchergebniseinschränkend

OR "oder": ENTWEDER Bedingung 1 ODER Bedingung 2 muss zutreffen, wirkt also suchergebnisausweitend

NOT "(und) nicht": Bedingung 1 MUSS, Bedingung 2 DARF NICHT zutreffen, wirkt also suchergebniseinschränkend

Die Eingabe mehrerer Begriffe wird automatisch als "UND"-Verknüpfung interpretiert (dabei kann es aber wesentlich sein, ob die Suchbegriffe im selben Suchfeld oder in verschiedenen eingegeben werden: es gibt nämlich Suchfelder, bei denen die gesamte Eingabe als eine Phrase / ein Suchstring interpretiert wird); die weiteren Verknüpfungsmöglichkeiten "ODER" sowie "NICHT" sind meist auf sogenannte "Expertensuchen" beschränkt. In Kombination mit logischen Klammern [z.B. "A not (B or C)"] sowie Maskierung und Trunkierung können so höchst komplexe Suchanfragen erstellt werden. Vor allem in Volltextdatenbanken sind noch weitere sogenannte "Kontextoperatoren" vorgesehen, wie z. B. "adj" für "unmittelbar danach" etc.

Browsen (von englisch "to browse" = grasen, schmökern) oder Indexsuche:
Während in einem Onlinekatalog die Suche normalerweise punktuell erfolgt, kann man durch Nutzen der Indexsuche eine geordnete Liste der vorhandenen Einträge einsehen und damit einen zettelkatalogähnlichen Effekt erzielen: für manche Rechercheprobleme ist es nämlich ein Vorteil, die unmittelbare Umgebung des Suchzieles einsehen zu können.

Fuzzy logic:
d.h. eine gewisse Fehlertoleranz bei der Anfrage und Ausgabe ähnlicher Ergebnisse; ist meistens nicht vorhanden, könnte sich aber bei den teilweise enormen Treffermengen, die ein Bibliothekskatalog unter Umständen erwarten läßt, ohnedies verheerend auswirken.

Sparsame Eingabe / Sucheinschränkung:
im allgemeinen empfiehlt es sich, nur wenig einzugeben und erst in einem zweiten Schritt (bei einer zu großen Treffermenge) mit weiteren Bedingungen eine Suchergebniseinschränkung anzustreben.

Suchsyntax / Hilfe:
Verschiedene Systeme weisen meist auch eine unterschiedliche Suchsyntax auf (Beispiel: Internetsuchmaschinen). Daraus folgt, dass man eine anbgebotene Hilfe zur Suche auch lesen sollte, sofern man mit dem entsprechenden System noch nicht vertraut ist.

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Diskussionsthemen für eine Vertiefung oder Nachbetrachtung:

Bearbeitungszeitaufwand/Kosten und Wert eines Katalogisates

Wert von Standards (Normen, Regelwerke, Normdateien)
Wert von Fremdleistungen (Bibliographische Dienste)
Wert von Kooperation (Verbundkatalogisierung: virtueller versus realer Verbund)

Retrokonversion (Transformation konventioneller Katalogdaten in einen Online-Katalog oder Erfassung von Altbeständen)

Digitalisierung
(Scannen von Bildmaterial, Scannen von Textdokument(teil)en, Scannen von konventionellen Katalogeinträgen, OCR-Erkennung)

Funktionsvergleich verschiedener Suchoberflächen im WWW (vor allem WWW-OPACs)
und daraus Ableitung von Regeln für das OPAC-Design (und Literaturstudium zu diesem Thema)



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